Wie entsteht ein Dekubitus?

Ein Dekubitus entsteht nicht ausschließlich durch eine verminderte Durchblutung. Bereits direkter hoher Druck kann Zellen direkt schädigen und innerhalb kurzer Zeit zu Gewebeveränderungen führen. Häufig entwickelt sich ein Dekubitus von innen nach außen, sodass tiefere Gewebeschäden bereits vorhanden sein können, bevor sie an der Hautoberfläche sichtbar werden.

Begünstigt wird die Entstehung durch vorgeschädigte Haut, bestimmte Medikamente sowie weitere innere und äußere Risikofaktoren. In der Regel entsteht ein Dekubitus durch das Zusammenspiel mehrerer Ursachen.

Wichtig und nicht immer einfach ist die Abgrenzung zwischen Dekubitus und Inkontinenz-assoziierter Dermatitis (IAD). Bei der IAD schädigen Stuhl und Urin die Haut derart, dass eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird, die dann als Mazeration oder Ekzem in Erscheinung tritt und auch mit Erosionen einher gehen kann. In diesem Falle ist die Abgrenzung zu einem Dekubitus besonders wichtig, denn die ursächliche Therapie ist beim Dekubitus eine andere als bei der IAD. Ungeachtet dessen können auch beide Krankheitsbilder zeitgleich vorliegen.

Dekubitus kann in weniger als 30 Minuten durch Druck und zu 95 % durch Rückenlage entstehen.

Internationales Klassifizierungssystem

Dekubitus Kategorien nach EPUAP/NPIAP

Dekubitus Kategorie I

Merkmale:

  • Nicht wegdrückbare (Fingertest) Rötung bei intakter Haut
  • Gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung

Versorgungsempfehlung von Coloplast:

Dekubitus Kategorie 1
Dekubitus Kategorie II

Merkmale:

  • Teilverlust der Haut mit Schädigung von Epidermis, Dermis oder beiden Hautschichten 
  • Der Dekubitus ist oberflächlich und manifestiert sich klinisch als Hautabschürfung, Blase oder flaches Geschwür

Versorgungsempfehlung von Coloplast:

Dekubitus Kategorie 2
Dekubitus Kategorie III

Merkmale:

  • Schädigung aller Hautschichten, einschließlich Schädigung oder Nekrose des subkutanen Gewebes
  • Dies kann bis auf, aber nicht unter die darunterliegende Faszie, reichen. Sehnen, Bänder und Knochen liegen nicht offen

Versorgungsempfehlung von Coloplast:

Dekubitus Kategorie III
Dekubitus Kategorie IV

Merkmale:

  • Ausgedehnte Zerstörung
  • Gewebsnekrose oder Schädigung von Muskeln, Knochen oder stützenden Strukturen, mit oder ohne Verlust aller Hautschichten

Versorgungsempfehlung von Coloplast:

Dekubitus Kategorie 4
Keiner Kategorie / keinem Stadium zuordnenbar: Tiefe unbekannt

Merkmale:

  • Lila oder rötlich-braun verfärbte intakte Haut oder blutgefüllte Blase
  • Diese ist entstanden aufgrund der Schädigung des darunter liegenden Weichgewebes durch Druck- und/oder Scherkräfte

Versorgungsempfehlung von Coloplast:

Grafik: Keiner Dekubitus Kategorie zuordnenbar
Vermutete tiefe Gewebeschädigung: Tiefe unbekannt

Merkmale:

  • Beim nicht klassifizierten Dekubitus ist ein Verlust aller Hautschichten aufgetreten. Die tatsächliche Tiefe des Geschwürs ist maskiert durch Debris, Beläge, Nekrosen oder Schorf im Wundgrund
  • Eine endgültige Bestimmung der Wundtiefe kann erst nach einem Debridement erfolgen. Bis dahin wird der Dekubitus als Kategorie III oder IV klassifiziert

Versorgungsempfehlung von Coloplast:

Trockene Wunde:

Stark exsudierende Wunde:

Abbildung tiefe Schädigung bei Dekubitus

Für die Klassifikation eines Dekubitus sind mehrere Systeme entwickelt worden, die teils verschiedene Einteilungen vornehmen. Das European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP)³ unterteilt den Dekubitus in 6 Kategorien, jedoch gilt im klinischen Bereich ebenfalls weiterhin die Klassifikationen des Dekubitus nach DRG/ICD in 4 Grade.

Wie kann ein Dekubitus behandelt werden?

Kausaltherapie 

Neben einem optimal feuchten Wundheilungsmilieu ist bei einem Dekubitus die fachgerechte Lagerung und Repositionierung der Patienten und Patientinnen in wechselnden Abständen unabdingbar. Die Repositionierung ist eine wichtige Technik, um die Bildung von Druckverletzungen zu verhindern. Eine Repositionierung kann helfen:

  • um die Dauer des Drucks auf den Körper zu reduzieren; und
  • um den Druck zu reduzieren, der auf eine empfindliche Körperstelle ausgeübt wird.

 Die Wunde muss daher frei von weiterem Druck sein, da sonst keine adäquate Wundheilung stattfinden kann und die Wundheilung weiter stagniert und sich verschlechtern wird.

Ernährungsmanagement & Druckentlastung

Bei Personen mit Dekubitusrisiko empfehlen die Leitlinien⁓ ein Ernährungs-Screening, regelmäßige Lagewechsel sowie den Einsatz druckverteilender Unterlagen im Bett und beim Sitzen. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten zudem möglichst wenig Zeit in sitzender Position verbringen, um Druckbelastungen zu reduzieren.
 
Patienten und Patientinnen, die dauerhaft liegen müssen, sollten vor druckausübenden Stellen, wie Katheteren oder Schläuchen, geschützt und abgepolstert werden. Aus diesem Grund ist darauf zu achten, dass Bettlaken glatt und faltenfrei sind, um so Druckstellen zu vermeiden.
 

Positionswechsel: 2-stündliches Umlagern ist nicht richtig! Richtig: individuell zwischen 2- bis 3-stündliches Umlagern zu bestimmen nach dem Dekubitusrisiko zu überprüfen durch die Hautinspektion!

 

Hautinspektion

  1. Haut beobachten: Farbe, Trockenheit, Schäden, Mazeration
  2. Druckstelle abtasten und mit einem Finger eindrücken sowie vergleichen mit benachbartem Gewebe: Weicher oder härter?
  3. Fingertest: In die rote Stelle mit einem Finger hineindrücken für 3 Sekunden, Finger wegziehen und sofort beobachten, ob die Stelle weiß geworden ist.

Auswahl des passenden Verbandes

Idealerweise wird ein Verband ausgewählt, der nicht nur ein idealfeuchtes Wundmilieu aufrechterhalten kann, sondern auch den Ansatz der Druckreduzierung mit verfolgt. Hierfür sind Schäume geeignet, die das jeweilige Areal weichpolstern. Ansonsten gilt, wie bei allen anderen Wunden, das Gebot der Sterilität, des Exsudatmanagements (feucht aber nicht nass) und der Infektionsprävention.

Bei Dekubitalulcera im Bereich des Kreuzbeins und des Sakrums besteht zusätzlich die deutlich erhöhte Gefahr der Verschleppung von Keimen aus dem Darm- sowie Uro-Genitaltrakt. Hier ist bei der Auswahl der Wundauflage und bei der Applikation darauf zu achten, dass der Verband zum After hin dicht klebt und keine Leckagen auftreten.

Wenn es zu einer Verschleppung von Stuhl oder Urin in die Wunde gekommen ist, sollten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um eine Wundinfektion zu verhindern. Wundspüllösungen wie Allrinse® für eine Nass-Trockenphase zur Verlängerung der Einwirkzeit und zur Unterstützung des Debridements sowie antiseptische Wundauflagen z.B. mit Silberwirkung unterstützen auch in diesem Falle den Heilungsprozess.

Fallbeispiel eines Dekubitalulcus nach Op

  • Patient: männlich, 61 Jahre
  • Dialysepflichtig, Diabetes mellitus Typ 2, HbA1C 9,8, Hypertonie
  • Zustand nach Bypass-OP nach Herzinfarkt
  • Anwendung von Biatain® Fiber in Kombination mit Allrinse®
  • Abdeckung mit Biatain® Silicone Sakrum
  • Verbandwechsel 3x pro Woche, bei konsequenter Einhaltung des Verbandregimes
Fallverlauf Dekubitus Tag 0

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Fallverlauf Dekubitus Tag 16

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Fallverlauf Dekubitus Tag 53

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