Blasen- und Darmfunktionsstörungen bei MS: ein Symptom mit hoher Relevanz

Im Verlauf der Multiplen Sklerose entwickeln die meisten Patient:innen Blasen‑ und/oder Darmfunktionsstörungen – unabhängig von Krankheitsdauer oder -form. Studien zeigen, dass 75–90 % der Menschen mit MS im Laufe ihrer Erkrankung Blasenprobleme entwickeln¹ und mehr als 70 % von Darmfunktionsstörungen betroffen sind.² Diese Symptome können im neurologischen Praxisalltag jedoch schnell übersehen werden,  da andere MS‑assoziierte Beschwerden im Vordergrund stehen oder sie für Patient:innen mit Scham behaftet sind. Unbehandelte neurogene Blasen‑ und Darmfunktionsstörungen können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen und die Lebensqualität erheblich einschränken.⁵ Viele Patient:innen empfinden häufig Angst, Unbehagen und Scham im Zusammenhang mit ihren Symptomen.⁶ Insbesondere von folgenden Einschränkungen wird berichtet:

  • Angst vor einer Inkontinenzepisode⁶
  • Reduzierte soziale Aktivitäten³
  • Peinlichkeit, wenn eine Inkontinenzepisode auftritt³
  • Verlust des Kontrollgefühls³

Unbehandelte Blasenfunktionsstörungen können mit Folgekomplikationen assoziiert sein.⁴ Harnwegsinfektionen (HWIs) gehören zu den häufigsten Gründen für Krankenhausaufenthalte bei MS-Patient:innen. Sie machen 30–50 % der stationären Aufnahmen aus.⁷

Eine frühzeitige Ansprache und strukturierte Erhebung dieser Symptome bietet daher die Chance, relevante Beschwerden rechtzeitig zu erkennen und die Versorgung von MS‑Patient:innen ganzheitlich zu verbessern.