Die aktualisierte S2k‑Leitlinie "Management und Durchführung des Intermittierenden Katheterismus (IK) bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes" beschreibt konsentierte Empfehlungen zur Blasenentleerung bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes.
Gegenüber der Vorversion wurden mehrere Inhalte präzisiert, ergänzt oder klarer abgegrenzt, um die leitliniengerechte Durchführung im klinischen Alltag zu unterstützen.

Der intermittierende Katheterismus wird weiterhin als empfohlene Methode der Blasenentleerung bei entsprechender Indikation beschrieben.

Hinweis
Die nachfolgende Darstellung bietet eine beispielhafte, zusammenfassende Einordnung ausgewählter Inhalte der Leitlinie. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt nicht die Lektüre der Originalleitlinie.
 

Ausgewählte Highlights des Leitlinien Updates 2026: 

  • Katheterauswahl
  • Durchführung des IK 
  • HWI-Management

Katheterauswahl

Die aktualisierte Leitlinie erläutert detailliert, welche Kathetereigenschaften in unterschiedlichen klinischen Situationen berücksichtigt werden können. Die Auswahl erfolgt individuell und situationsbezogen.

Katheterlänge und ‑durchmesser

  • Orientierung an anatomischen Gegebenheiten und Beschaffenheit der Harnröhre sowie bei Kindern dem Alter bzw. der Körpergröße  

Katheterspitzen – können situationsabhängig berücksichtigt werden

  • Gerade Spitzen: z.B. bei unkompliziertem IK
  • Speziell geformte Spitzen:  z.B.bei funktionellen Einführhindernissen oder Spastik
  • Abgewinkelte Spitzen: z.B. bei anatomischen Besonderheiten

Katheter-Augen

  • Keine scharfen Kanten
  • Auswahl des Augendesigns (2–3 Öffnungen, zahlreiche Mikro‑Augen, große Drainage-Augen) abhängig von Urinbeschaffenheit und bei unvollständiger Entleerung der Harnblase

Materialeigenschaften

  • Flexibilität oder Steifigkeit je nach Voraussetzungen des Anwenders  relevant  
  • Festere Katheter können hilfreich sein bei
    • spastischem Sphinkter
    • eingeschränkter Handfunktion

Beschichtete / unbeschichtete Katheter

  • Bei beschichteten Kathetern wird zwischen hydrophilen und Gelkathetern unterschieden
  • Beschichtete Einmalkatheter für die Langzeitanwendung beschrieben
  • Bei unbeschichteten Kathetern: zusätzliche Gleitmittel vorgesehen

Versorgungsaspekte

  Die Häufigkeit der Katheterisierung kann individuell variieren. Einschränkungen der Katheterauswahl durch Kostenvorgaben werden kritisch thematisiert. Leitliniengerechte Versorgung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden.

2. Leitliniengerechte DurchfĂĽhrung: Die wichtigsten Schritte

Die aktualisierte Leitlinie präzisiert mehrere Aspekte der Durchführung des intermittierenden Katheterismus.

Vorbereitung und Hygiene

  • Hygienische Händedesinfektion als zentraler Bestandteil der Vorbereitung für den sterilen und den aseptischen Katheterismus
  • Berücksichtigung von Situationen, in denen Händewaschen nicht praktikabel ist (z. B. eingeschränkte Mobilität)

Durchführungsschritte

  • Präzisierte Hinweise zur
    • geeigneten Positionierung
    • Nutzung unterstützender Hilfsmittel (z. B. zur besseren Sicht oder Stabilität)
  • Angepasst:
    • Katheter nach Beginn des Urinflusses ein bisschen weiter einführen
    • anschließend kontrolliertes, schrittweises Zurückziehen
    • Ausnahme: Das langsame schrittweise Zurückziehen ist abhängig vom Katheteraugendesign ggf. nicht erforderlich.  
  • Klarer Hinweis: Einführen des Katheters ohne Anwendung von Gewalt

Katheterisierungsfrequenz

  • Empfehlungen zur Frequenz konkretisiert
  • maximale Blasenfüllung von 500 ml bei Erwachsenen als Orientierungswert
  • deutliche Abweichungen (< 100 ml oder > 500 ml) als Anlass zur Überprüfung des  Katheterisierungsschemas.  
  • Einschränkungen aus wirtschaftlichen Gründen sollen die leitliniengerechte Versorgung nicht beeinträchtigen
  • Bei Kindern wird die empfohlene Füllung der Blase anhand einer Formel errechnet.  

Komplikationsmanagement

  • Inhalte erweitert, u. a.:
    • Vorgehen bei erschwertem Einführen des Katheters
    • Umgang mit funktionellen oder spastischen Hindernissen
    • Berücksichtigung psychischer Faktoren bei schmerzhaftem Katheterismus
  • Betonung regelmäßiger urologischer bzw. neuro‑urologischer Kontrollen, insbesondere bei wiederkehrenden Problemen

3. HWI-Management geschärft - Erkennen & Vorbeugen

Die aktualisierte Leitlinie präzisiert mehrere Aspekte des Managements von Harnwegsinfektionen (HWI) beim intermittierenden Katheterismus.

Klar abgegrenzt werden insbesondere folgende Punkte:

Bei Anwendern ohne Symptome wird kein routinemäßiges Urinscreening empfohlen. Urinuntersuchungen sollten im Rahmen regelmäßiger  neuro‑urologischer Konsultationen erfolgen.

Für die Behandlung einer symptomatischen HWI beschreibt die Leitlinie eine leitliniengerechte antibiotische Therapie hinsichtlich Dauer und Dosierung unter Berücksichtigung der Resistenzlage.

Im Bereich der Prävention von Harnwegsinfektionen werden mehrere mögliche Maßnahmen aufgeführt und deren Einsatz situationsabhängig eingeordnet. Die jeweilige Evidenzlage wird dabei berücksichtigt. Antiseptische Blasenspülungen werden aufgrund fehlender Evidenz ausdrücklich nicht empfohlen.

Bei rezidivierenden HWI wird eine weiterführende urologische bzw. neuro‑urologische Abklärung empfohlen, um mögliche funktionelle oder strukturelle Ursachen zu identifizieren.

Zudem werden die Definitionen von asymptomatischer Bakteriurie und symptomatischer HWI klar voneinander abgegrenzt. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Symptome bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes eingeschränkt ausgeprägt sein können und die Diagnostik entsprechend angepasst erfolgen sollte.